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Eine Künstlerin stellt sich vor
Wahrscheinlich kennt jeder Künstler die unschuldig gestellte Frage danach, was
man denn eigentlich malt, welche Richtung, welchen Stil man vertritt. Der
Fragende erwartet sich dann zumeist eine Antwort wie "ich male Akte", "ich male
in Öl" oder "ich male abstrakt". (Als ob es irgendeine Form von Kunst gäbe,
die das nicht in gewissem Maße ist.) All diese Schlagworte sagen jedoch nicht
das Geringste darüber aus, wie dieses Bild nun aussieht. Daher versuche ich
kurz, meine Herangehensweise an eine Zeichnung oder Malerei zu beschreiben.
Ausgangspunkt ist bei mir stets etwas Konkretes, häufig Körper, aber auch
Landschaften oder sonst etwas sinnlich fassbares, denn ohne eine Vorstellung
von etwas - also total abstrakt - zu arbeiten, erscheint mir geradezu
unmöglich, weil viel zu beliebig. Im Prozess des Zeichnens oder Malens wird die
ursprüngliche Vorstellung jedoch in Form und Farbe umgewandelt, was automatisch
einen Abstraktionsprozess mit sich bringt, den ich durchaus auch so weit
treibe, dass auf den ersten Blick nicht alles offen und klar ersichtlich vor
einem liegt. Der Betrachter wird zu einem zweiten, genaueren Blick angeregt,
auf den hin sich der Körper, die Landschaft aus dem Farbwirbel
heraushebt. Ich habe dabei eine besondere Vorliebe für kräftige Farben,
deren Aufdringlichkeit jedoch dadurch wieder zurückgenommen und in Frage
gestellt wird, dass die Struktur meiner Bilder an vielen Stellen offen bleibt,
das Bild also nicht in allen Teilen gleich pastos durchgemalt ist und zum Teil
Grundierung und Bleistiftskizzierung durchscheinen. Die Frage, die mich hier
beschäftigt, lautet: Wie weit muss ein Bild gemalt sein, um fertig zu sein? Das
Interesse an der Spannung des "unvollendeten" Bildes (das ursprünglich eine
Cézanne-Ausstellung geweckt hat) hat sich bis heute gehalten und stellt ein
wesentliches Moment meiner Arbeiten dar.
Oft wird man als Künstler gefragt, was denn dieses oder jedes Bild an Bedeutung
und Aussagekraft in sich birgt. Meine Antwort darauf: Wenn ich das so genau
sagen könnte, würde ich wohl schreiben und nicht malen. Wesentlich scheint
mir jedoch, dass das Kunstwerk an sich schon die Aussage ist: seine Farben,
seine Formen, die dadurch vermittelte Stimmung. Im Schaffensprozess überlege
ich mir nicht, welchen Sinn ich dem, was ich eben tue, überstülpen kann, ich
lasse mich leiten vom Zusammenspiel der Farben, Experimentiere mit Formen, mit
der Offenheit oder Geschlossenheit der malerischen Struktur und beende meine
Arbeit, wenn ich das - ebenfalls nicht näher definierbare - Gefühl habe, dass
nun "alles passt".
Ich möchte jedoch jedem Kunstliebhaber, jedem Betrachter die Freiheit lassen,
eigene Bedeutungsräume aus meinen Bildern zu erschließen, eigene Gedanken und
Interpretationen zu entwickeln oder auch einfach das Sinneserlebnis zu
genießen. Dabei viel Freude!
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