Katharina Ferstl

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Eine Künstlerin stellt sich vor

Wahrscheinlich kennt jeder Künstler die unschuldig gestellte Frage danach, was man denn eigentlich malt, welche Richtung, welchen Stil man vertritt. Der Fragende erwartet sich dann zumeist eine Antwort wie "ich male Akte", "ich male in Öl" oder "ich male abstrakt". (Als ob es irgendeine Form von Kunst gäbe, die das nicht in gewissem Maße ist.)
All diese Schlagworte sagen jedoch nicht das Geringste darüber aus, wie dieses Bild nun aussieht. Daher versuche ich kurz, meine Herangehensweise an eine Zeichnung oder Malerei zu beschreiben.


Ausgangspunkt ist bei mir stets etwas Konkretes, häufig Körper, aber auch Landschaften oder sonst etwas sinnlich fassbares, denn ohne eine Vorstellung von etwas - also total abstrakt - zu arbeiten, erscheint mir geradezu unmöglich, weil viel zu beliebig. Im Prozess des Zeichnens oder Malens wird die ursprüngliche Vorstellung jedoch in Form und Farbe umgewandelt, was automatisch einen Abstraktionsprozess mit sich bringt, den ich durchaus auch so weit treibe, dass auf den ersten Blick nicht alles offen und klar ersichtlich vor einem liegt. Der Betrachter wird zu einem zweiten, genaueren Blick angeregt, auf den hin sich der Körper, die Landschaft aus dem Farbwirbel heraushebt.
Ich habe dabei eine besondere Vorliebe für kräftige Farben, deren Aufdringlichkeit jedoch dadurch wieder zurückgenommen und in Frage gestellt wird, dass die Struktur meiner Bilder an vielen Stellen offen bleibt, das Bild also nicht in allen Teilen gleich pastos durchgemalt ist und zum Teil Grundierung und Bleistiftskizzierung durchscheinen.
Die Frage, die mich hier beschäftigt, lautet: Wie weit muss ein Bild gemalt sein, um fertig zu sein? Das Interesse an der Spannung des "unvollendeten" Bildes (das ursprünglich eine Cézanne-Ausstellung geweckt hat) hat sich bis heute gehalten und stellt ein wesentliches Moment meiner Arbeiten dar.


Oft wird man als Künstler gefragt, was denn dieses oder jedes Bild an Bedeutung und Aussagekraft in sich birgt. Meine Antwort darauf: Wenn ich das so genau sagen könnte, würde ich wohl schreiben und nicht malen.
Wesentlich scheint mir jedoch, dass das Kunstwerk an sich schon die Aussage ist: seine Farben, seine Formen, die dadurch vermittelte Stimmung. Im Schaffensprozess überlege ich mir nicht, welchen Sinn ich dem, was ich eben tue, überstülpen kann, ich lasse mich leiten vom Zusammenspiel der Farben, Experimentiere mit Formen, mit der Offenheit oder Geschlossenheit der malerischen Struktur und beende meine Arbeit, wenn ich das - ebenfalls nicht näher definierbare - Gefühl habe, dass nun "alles passt".


Ich möchte jedoch jedem Kunstliebhaber, jedem Betrachter die Freiheit lassen, eigene Bedeutungsräume aus meinen Bildern zu erschließen, eigene Gedanken und Interpretationen zu entwickeln oder auch einfach das Sinneserlebnis zu genießen. Dabei viel Freude!




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Medieninhaber: Katharina Ferstl, Salzburg
last update 2007-08-17

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